Ramsau am Dachstein liegt auf etwa 1.100 Metern Seehöhe in der Steiermark und gehört zu den wanderreichsten Gemeinden der Ostalpen. Das Wegenetz umfasst mehr als 250 Kilometer markierte Pfade, die sich vom flachen Talboden bis auf über 2.900 Meter Höhe erstrecken. Wer hier eine Woche verbringt, läuft täglich eine andere Tour, ohne sich zu wiederholen.
Was das Gebiet auszeichnet
Der Dachstein ist ein Kalkstockmassiv, das sich über die Grenzen von Steiermark, Oberösterreich und Salzburg zieht. Diese geologische Eigenheit sorgt für eine Landschaft, die innerhalb weniger Stunden zwischen sanften Almwiesen, schroffen Felswänden und ewigem Eis wechselt. Wanderer finden hier keine monotone Bergkulisse, sondern eine Abfolge völlig unterschiedlicher Geländetypen.
Das Klimaprofil spielt ebenfalls eine Rolle. Ramsau gilt als sonnige Hochlage mit vergleichsweise wenig Niederschlag im Sommer. Die Hauptsaison läuft von Mitte Juni bis Mitte Oktober, wobei die Wege auf den Hochplateaus oft bis in den November hinein schneefrei bleiben.
Familienfreundliche Einsteigertouren
Wer mit Kindern oder ohne große Vorerfahrung unterwegs ist, findet im Bereich der Ramsauer Almen ideale Bedingungen. Die Runde um den Erlakogel (1.782 m) gilt als klassisches Einsteigerziel. Der Aufstieg ab dem Parkplatz Türlwand dauert gut zwei Stunden, der Höhenunterschied beträgt rund 550 Meter. Der Weg ist durchgehend breit und gut beschildert.
Noch entspannter verläuft die Almrundwanderung zur Brandalm. Diese Tour bleibt unter 300 Höhenmetern und führt durch Latschengürtel und offene Wiesenbereiche. Familien mit kleineren Kindern kommen hier ohne Stöcke und spezielle Ausrüstung gut zurecht. An der Alm selbst gibt es Rast- und Einkehrmöglichkeiten.
Anspruchsvolle Touren für geübte Berggeher
Erfahrene Wanderer zieht es auf die Dachsteinüberquerung oder zum Aufstieg auf den Hohen Dachstein (2.995 m). Letzterer ist von der Bergstation der Dachsteinseilbahn in etwa drei bis vier Stunden zu erreichen, allerdings nur mit Klettersteigausrüstung und gesicherter Erfahrung. Der Klettersteig D/E verlangt absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.
Eine lohnende Alternative für geübte Gänger ohne Klettersteigambitionen ist der Weg über die Simonyhütte (2.206 m) zum Hallstätter Gletscher. Die Gehzeit beträgt von Ramsau aus etwa sechs Stunden im Auf- und Abstieg. Der Weg passiert das Gjaidalm-Gebiet und bietet freie Sicht auf den Gosaukamm. Übernachtungen in der Simonyhütte sind über den Alpenverein buchbar.
Unterkünfte und Ausgangspunkte
Die Nähe zur Unterkunft entscheidet oft darüber, wie früh man aufbrechen kann und wie viele Touren in einer Woche realistisch sind. Viele Wanderer wählen Unterkünfte direkt im Ortskern oder an der Bundesstraße Richtung Schladming, weil von dort sowohl die Seilbahn als auch die Almwege schnell erreichbar sind. Wer Wandern in Ramsau am Dachstein plant und eine ruhige, ortsnahe Unterkunft sucht, findet in der Region eine gute Auswahl an Landhäusern und Pensionen mit direktem Zugang zu den Wegen.
Wichtig für die Planung: Das eigene Auto ist in Ramsau nützlich, aber nicht zwingend notwendig. Im Sommer verkehren Busse zwischen den Ortsteilen und zur Dachsteinseilbahn. Wer mehrtägige Hüttentouren plant, deponiert das Fahrzeug am Ausgangspunkt und organisiert die Rückkehr per Bus oder Mitfahrgelegenheit.
Praktische Daten auf einen Blick
| Tour | Schwierigkeit | Höhenmeter | Gehzeit |
|---|---|---|---|
| Erlakogel-Runde | Mittel | 550 m | 4 Stunden |
| Brandalm-Runde | Leicht | 280 m | 2,5 Stunden |
| Simonyhütte | Mittel-Schwer | 1.100 m | 6 Stunden |
| Hoher Dachstein (Klettersteig) | Schwer | 500 m ab Seilbahn | 3 bis 4 Stunden |
Ausrüstung und Sicherheit
Selbst auf einfachen Touren in den Alpen empfiehlt sich festes Schuhwerk mit Knöchelstütze. Leichte Trekkingschuhe reichen für Almwege aus, für höhere Lagen und felsiges Gelände sollten es stabilere Bergschuhe sein. Wer auf Touren über 2.000 Meter geht, sollte unabhängig vom Wetter eine Regenjacke dabei haben. Gewitter im Hochgebirge entwickeln sich schnell und erfordern rechtzeitigen Abstieg.
- Karte oder GPS-Track herunterladen, da das Mobilfunknetz auf Hochlagen lückenhaft ist
- Ausreichend Wasser mitführen, mindestens 1,5 Liter pro Person für halbtägige Touren
- Hüttenübernachtungen frühzeitig reservieren, besonders in der Hauptsaison Juli und August
- Aufbruch vor 9 Uhr morgens für längere Touren, um Gewitterfenster am Nachmittag zu meiden
- Bergrettungsnummer in Österreich: 140
Wer zum ersten Mal in der Region unterwegs ist, profitiert von einer geführten Tour. Ramsau hat mehrere zertifizierte Bergführer, die sowohl Einzel- als auch Gruppentouren anbieten. Die Buchung läuft meist über die örtliche Tourismusinfo oder direkt beim Bergführer.
Beste Reisezeit und Saisonbesonderheiten
Juli und August sind die meistbesuchten Monate, mit entsprechendem Andrang an Seilbahn und populären Hütten. Wer Abstand zur Masse sucht, fährt im September nach Ramsau. Die Temperaturen sind dann noch angenehm, die Wege weitgehend schneefrei, und Hüttenplätze kurzfristig verfügbar. Der Oktober eignet sich für Almwanderungen, während höhere Gipfel ab Mitte des Monats mit ersten Schneeauflagen rechnen müssen.
Im Winter verwandelt sich Ramsau in eine Langlaufregion mit über 200 Kilometern gespurter Loipe. Das Sommerwegenetz ist dann zwar gesperrt, wer aber Schneeschuhwandern möchte, findet geführte Routen rund um die Ramsauer Almen. Das Tourismusbüro gibt aktuell Auskunft über Wegesperrungen und Winterpräparierung.
Ramsau am Dachstein bietet keine Wanderregion für ein langes Wochenende, sondern für eine echte Bergurlaubswoche. Wer das Gebiet systematisch erschließen möchte, sollte mindestens sieben Tage einplanen, um sowohl die leichten Almrunden als auch die anspruchsvollen Hochgebirgsrouten abzudecken.









