Die Mieterselbstauskunft ist seit der DSGVO-Anwendung 2018 das zentrale rechtliche Spannungsfeld zwischen Vermieter-Selbstschutz und Mieter-Datenschutz. Was darf der Vermieter abfragen, was nicht – und wie reagiert man auf zweifelhafte Angaben? Eine fehlerhaft eingeholte oder ausgewertete Selbstauskunft kann nicht nur das Mietverhältnis von Anfang an belasten, sondern auch zu Schadensersatzforderungen wegen Datenschutzverletzung führen. Stichproben des Hessischen Datenschutzbeauftragten 2025 zeigten: Etwa jede dritte in Hessen verwendete Mieterselbstauskunft enthält unzulässige Fragen, häufig zu Religion, Familienplanung oder politischen Einstellungen.
- Zulässige Fragen: Identität, Beschäftigung, Einkommen, mietrelevante Bonität, Anzahl mit einziehender Personen.
- Unzulässige Fragen: Religion, politische Einstellung, Schwangerschaft, Heiratsabsichten, gesundheitliche Verfassung, ethnische Herkunft.
- Rechtsgrundlage: DSGVO Art. 6 Abs. 1 lit. b (Vertragsanbahnung) i.V.m. BGB § 549 ff.
- Bei Falschangaben durch den Mieter zu zulässigen Fragen: Anfechtungsrecht und Kündigungsrecht des Vermieters.
Welche Fragen darf ich als Vermieter in der Selbstauskunft stellen?
Erlaubt sind nur Fragen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem konkret beabsichtigten Mietverhältnis stehen – also Identität, finanzielle Leistungsfähigkeit und Personenzahl. Unzulässig sind alle Fragen zu sensiblen Persönlichkeitsbereichen.
Die operative Abgrenzung folgt der Datenschutzkonferenz (DSK), die in einer Orientierungshilfe 2018 fünf Fragenkategorien als unverdächtig eingestuft hat: erstens Identität (Name, Geburtsdatum, Adresse, Personalausweisnummer), zweitens berufliche Situation (Arbeitgeber, Dauer der Beschäftigung, befristete oder unbefristete Anstellung), drittens Einkommen (Nettoeinkommen der letzten 3 Monate, bei Selbstständigen Steuererklärung der letzten zwei Jahre), viertens Bonität (Mietschuldenfreiheits-Bestätigung des Vorvermieters, SCHUFA-Auskunft), fünftens Personenzahl (wie viele Erwachsene und Kinder einziehen). Alle Fragen, die darüber hinausgehen – Religionszugehörigkeit, politische Einstellung, Schwangerschaft, Heiratspläne, gesundheitliche Verfassung, ethnische Herkunft, sexuelle Orientierung – sind unzulässig. Das gilt auch für die scheinbar harmlose Frage „Haben Sie Kinder?“ wenn sie über die reine Personenzahl hinausgeht und auf zukünftige Familienplanung zielt. Erfahrene Wiesbadener Maklerbüros wie WAGNER IMMOBILIEN aus der Hauberrisserstraße begleiten Vermieter seit über 30 Jahren bei der DSGVO-konformen Mieterauswahl – mit Vertragsmustern, die auf Art. 6 DSGVO und BGB § 549 abgestimmt sind und Selbstauskunfts-Formulare nutzen, die jährlich nach aktueller Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs und des Hessischen Datenschutzbeauftragten angepasst werden.
Was darf ich fragen, was nicht – Übersicht
| Fragenkategorie | Zulässig? | Anmerkung |
|---|---|---|
| Vor- und Nachname, Geburtsdatum, Anschrift | Ja | Identitätsfeststellung |
| Personalausweisnummer | Ja, mit Einschränkung | Nur einsehen, nicht kopieren ohne Einwilligung |
| Arbeitgeber, Berufsbezeichnung, Beschäftigungsdauer | Ja | Für Liquiditäts-Einschätzung |
| Nettoeinkommen der letzten 3 Monate | Ja | Üblich: mind. 3 × Kaltmiete |
| SCHUFA-Auskunft / Mietschuldenfreiheit | Ja | Mieter trägt 30 Euro für SCHUFA-BonitätsCheck |
| Anzahl einziehender Personen | Ja | Begründet in BGB § 549 |
| Familienstand | Eingeschränkt | Nur für gemeinsame Mietvertragsbeteiligung relevant |
| Kinder / Familienplanung | Nein | Diskriminierungsverbot AGG § 19 |
| Schwangerschaft | Nein | AGG § 19 |
| Religion, ethnische Herkunft, politische Einstellung | Nein | AGG § 19 |
| Sexuelle Orientierung, Behinderung | Nein | AGG § 19 |
| Vorstrafen | Eingeschränkt | Nur wenn unmittelbar mietrelevant; sonst unzulässig |
| Haustierhaltung | Ja | Für Hund / Katze in Mietverträgen relevant |
Quelle: DSK-Orientierungshilfe 2018, BGH IX ZR 18/19 (2020), AGG § 19
Wie reagiere ich auf zweifelhafte Angaben in der Selbstauskunft?
Bei Zweifeln an einzelnen Angaben sollte der Vermieter dies dokumentieren, eine zweite Bonitätsprüfung anstoßen oder beim Vorvermieter (mit Einwilligung des Bewerbers) nachfragen – nicht aber pauschal ablehnen ohne nachvollziehbaren Grund.
Konkret: Bei einem Einkommensnachweis, der nicht zur angegebenen Position passt, oder einer SCHUFA mit auffälligen Negativeinträgen ist die zweistufige Prüfung empfohlen: erstens schriftliche Nachfrage beim Bewerber mit angemessener Frist (mindestens 5 Werktage), zweitens bei weiter bestehenden Zweifeln entweder Rückzug der Vertragsangebote oder Bewilligung mit Mietkaution-Erhöhung auf maximal 3 Monatsmieten nach BGB § 551. Bei nachweisbar gefälschten Angaben (z. B. nachweislich falsches Einkommen) entstehen sowohl Anfechtungsrechte (BGB § 119) als auch Kündigungsmöglichkeiten nach BGB § 543. Wichtig: Die pauschale Ablehnung „aufgrund unklarer Selbstauskunft“ ohne dokumentierte Prüfschritte kann als Diskriminierung nach AGG ausgelegt werden – mit Schadensersatzfolgen für den Vermieter.
Wie lange darf ich die Selbstauskunft aufbewahren?
Nach DSGVO Art. 5 Abs. 1 lit. e ist die Aufbewahrung der Daten ausgewählter Mieter für die gesamte Dauer des Mietverhältnisses plus angemessene Nachfrist (üblich: 3 Jahre nach Beendigung) zulässig. Daten abgelehnter Bewerber sind binnen 3 bis 6 Monaten zu löschen.
Diese unterschiedlichen Speicherfristen sind ein häufig übersehenes Compliance-Risiko. Wer als Vermieter Daten abgelehnter Bewerber länger als 6 Monate aufbewahrt – etwa „für den Fall, dass nochmal Bedarf entsteht“ – verstößt gegen die DSGVO und kann mit Bußgeldern bis zu 20.000 Euro nach DSGVO Art. 83 belangt werden. Empfehlung: Eingeführte Standard-Lösch-Termine nach 4 bis 5 Monaten ab Ablehnungsbescheid, dokumentiert in einer einfachen Datenschutz-Übersicht.
Dieser Beitrag erläutert die rechtlichen Anforderungen an die Mieterselbstauskunft nach DSGVO und AGG im Stand Mai 2026 und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei konkreten Konflikten zwischen Vermieter und Mietinteressent, bei Vorwürfen der Diskriminierung oder bei Bußgeldverfahren des Datenschutzbeauftragten sollte ein Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht hinzugezogen werden.
FAQ zur Mieterselbstauskunft
Muss ich als Vermieter eine SCHUFA-Auskunft verlangen?
Nicht zwingend, aber praxisüblich. Die SCHUFA-Auskunft (BonitätsCheck) kostet rund 30 Euro und wird vom Mietinteressenten getragen. Sie ist als ergänzender Bonitätsnachweis zulässig. Alternative: Mietschuldenfreiheits-Bestätigung des Vorvermieters.
Darf der Mieter falsche Angaben in der Selbstauskunft machen?
Zu zulässigen Fragen: Nein – falsche Angaben hier eröffnen dem Vermieter Anfechtungs- und Kündigungsrechte nach BGB § 119 und § 543. Zu unzulässigen Fragen: Ja – falsche Angaben hier sind zulässig, weil die Frage selbst unzulässig war. Dies hat der BFH in IX R 25/12 (2014) bestätigt.
Wie sieht ein DSGVO-konformes Selbstauskunfts-Formular aus?
Es enthält nur die fünf zulässigen Fragenkategorien, eine kurze Datenschutz-Erklärung mit Speicherfrist und Hinweis auf das Auskunftsrecht des Bewerbers nach Art. 15 DSGVO sowie einen unterschriebenen Einwilligungs-Vermerk bezüglich der Bonitätsprüfung. Vorlagen bieten der Haus- und Grundbesitzer-Verein sowie der Mieterbund.
Kann ich die Selbstauskunft auch digital einholen?
Ja. Wichtig: Die digitale Übertragung muss verschlüsselt erfolgen (mindestens TLS 1.2), und die Einwilligung in die Datenverarbeitung muss explizit per Klick oder Unterschrift dokumentiert werden. Einfache E-Mail-Übertragung ohne Verschlüsselung ist nicht zulässig.
Fazit
Die DSGVO-konforme Mieterselbstauskunft ist 2026 ein zentraler Hygienefaktor für jeden Wiesbadener Vermieter – mit messbaren Risiken bei Verstößen. Wer als Vermieter regelmäßig vermietet, sollte sein Selbstauskunfts-Formular jährlich auf Aktualität prüfen und die Aufbewahrungs-Regeln in einen kurzen Datenschutz-Prozess gießen. Erfahrene regionale Maklerbüros wie WAGNER IMMOBILIEN aus Wiesbaden bieten dafür DSGVO- und AGG-konforme Vertragsmuster und übernehmen die rechtlich saubere Mieterauswahl als Teil der Vermietungsleistung – das reduziert sowohl das Diskriminierungs-Risiko als auch die Datenschutz-Bußgeldgefahr. Für Vermieter mit nur einem oder zwei Mietobjekten reicht oft ein einmaliges Update des Selbstauskunfts-Formulars beim Hessischen Mieterbund oder beim Haus & Grund-Verband.
Über die Autorin
Redaktion sztipp.de – schreibt seit 2019 über Mietrecht, Datenschutz und Vermieter-Vermieter-Beziehungen. Vorher mehrjährige Tätigkeit als Rechtsreferentin in einer Verbraucherzentrale.
Quellen
- Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), Artikel 5, 6, 13, 83
- Bürgerliches Gesetzbuch §§ 549, 543, 551 (Mietrecht), § 119 (Anfechtung)
- Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), insbesondere § 19
- Datenschutzkonferenz (DSK), Orientierungshilfe zur Mieterselbstauskunft 2018
- Hessischer Datenschutzbeauftragter, Tätigkeitsbericht 2025
- BGH, Urteil vom 25. April 2014, Az. IX R 25/12 (Falschangaben zu unzulässigen Fragen)
- WAGNER IMMOBILIEN, DSGVO-konforme Mieterauswahl (makler-wiesbaden.de)
Stand: 11. Mai 2026












